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Gastro-Tipp | Juni 2009
Logenplatz im Wasser
Mitten im DÜsseldorfer MEDIENHAFEN LÄDT DAS LIDO MIT LEICHTER KÜCHE EIN
„Sagen Sie mir einfach, was Sie gerne mögen, und unsere Küche zaubert Ihnen dazu ein Überraschungsmenü“, begrüßt mich die freundliche Servicedame. Wie nett. Ich entscheide mich für etwas Frisches vorweg, anschließend für Fisch und ein fruchtiges Dessert zum Abschluss. Mal sehen, was die Küche daraus zaubert. Mitten im Hafenbecken sitze ich hier, und doch werde ich nicht nass. Dem Besitzer des Restaurants, Robertino Wild, gehören mehrere Grundstücke und Gebäude im Medienhafen - und er hat Phantasie. Sonst hätte er sich nicht in den Kopf gesetzt, dass genau an dieser Stelle ein Restaurant stehen müsse. Das Lido ist ein gradliniger Glaskubus mit einem perfekten Ausblick in alle Richtungen. Die auf der ersten Ebene liegende Loungebar lädt mit 70 Plätzen in elegant¬legerer Atmosphäre zu einem kleinen Essen, Kaffee und Kuchen oder einem Glas Wein ein. Bequem sind die dunkelbraunen Lederbänke, lässig die mit Kuhfell bezogenen Hocker, ein Bekenntnis zum Luxus die goldenen Tische. Im Sommer locken 200 Sitzplätze auf die Terrasse über dem Wasser.
Der erste Überraschungsgang wird serviert: Hauchdünn gehobelte Rettich- und Apfelscheiben mischen sich zwischen zarte Blattsalate. Ein reizvolles Supplement dazu ist die Paste aus Walnuss und Knoblauch. Dejan Lapcevic leitet das Restaurant. Seit zwei Jahren begleitet er das Lido, zunächst im Service, jetzt als Gastgeber:„Ich muss 120-prozentig hinter einer Sache stehen. Der Gast soll spüren, dass ich ihn gern habe. Das kann ich nur, wenn ich selbst an meinem Arbeitsplatz zufrieden bin." Wichtig ist ihm das „Menscheln". Neben Professionalität in Küche und Service steht für ihn das Wohlfühlen und Entspannen des Gastes immer an erster Stelle. Auch beim Personal: „Das ganze Haus ist eine Seele. Wir duzen uns alle, jeder soll sich wohlfühlen, auch wenn es natürlich Regeln gibt, die eingehalten werden müssen", so Dejan Lapcevic. Deshalb isst das Team auch immer zwischen 17:30 und 18 Uhr zusammen - bis auf eine „Restaurantwache". Es gibt immer ein komplettes Menü - auch hier gilt das Prinzip Qualität.
Überraschungsgang Nummer zwei besteht aus Adlerfisch mit Crevetten, Miesmuscheln und Pilzen. Florian Ohlmann hat das Filet im Ofen exakt auf den Punkt gegart. Kein Wunder, ist er doch ein Direktimport aus Paris. Alain Ducasse hat ihn mit seiner Küche besonders geprägt. Er kochte unter anderem im legendären Le Relais du Parc und im Benoit Bistro. Die neue Herausforderung sieht er als besonderen Vertrauensbeweis. Doch das lässt ihn nicht ruhen: Er will die Küche verändern, mehr Aktion soll am Tisch stattfinden, er will Gerichte in der Kokotte servieren. Alles soll etwas wohliger und deftiger werden. Nordeuropäisch soll der Charakter der Küche in Zukunft geprägt sein. Auf der Karte werden Ochsenbacken, Craved Lachs und Coujonette von der Seezunge, eine Art Backfisch, stehen. Die klassische französische Bistroküche wird im Lido Einzug halten, die Gerichte sollen sich selbst erklären, nicht mehr als drei Komponenten auf einem Teller angerichtet sein. Die Produkte und sich rundum wohlfühlen stehen im Vordergrund. Gut und frisch kochen bleibt weiterhin die Devise des Hauses.
Auch die Einrichtung wird sich dem neuen Stil anpassen. Mehr Wärme in der Gestaltung und weniger weiße Tischdecken laden zunehmend auch private Gäste ein. Bislang ist das Restaurant über der Lounge mit 80 Sitzplätzen klassisch-weiß eingedeckt. Noch besteht das Publikum zu 80 Prozent aus Geschäftsleuten, viele Minister, Stars und Sternchen geben sich hierein Stelldichein. Die Besucher sind vorwiegend Düsseldorfer, zu Messezeiten kommen auch Gäste aus dem Ausland. Für Events ist das Lido wegen seiner exponierten Lage besonders gefragt. Dejan Lapcevic „Jeder will sich im Medienhafen präsentieren. Wir haben viele Nachfragen wegen Veranstaltungen, aber mehr als vier oder fünf pro Monat möchten wir nicht annehmen". Zwar sind Events immer attraktiv, aber der Restaurantchef will nicht seine Stamm- und Laufkunden durch ein Übermaß geschlossener Gesellschaften abschrecken. Zu Anlässen wie dem Valentinstag beispielsweise gibt es viele
Privatreservierungen. Das soll mit dem neuen Konzept noch forciert werden.
Florian Ohlmann deutet auf die andere Seite des Hafenbeckens. Ein Glanz tritt in seine Augen, während er erzählt. Dort wird in Kürze ein Weinladen mit etwa 140 Quadratmetern Fläche sowie Weinen aus Deutschland und Europa entstehen, ein Raum für geschlossene Gesellschaften bis zu zehn Personen namens ChefTable, sowie die Produktionsküche, in der Fleisch und Fisch zerlegt und vorbereitet werden. Für den ChefTable offeriert man auch HauteCuisine für kleine, feine Gesellschaften.
Lächelnd serviert die charmante Servicedame den Ananas-Kokos-Strudel, dazu ein Kakaosorbet von unglaublicher geschmacklicher Intensität. Augen zu, genießen und schweigen. Gar nicht so leicht sei es, so Dejan Lapcevic, gutes Personal zu finden, zumindest im Service. Auswahlkriterien sind: Qualifikation und bisherige berufliche Stationen, die persönlichen Ziele und die Ausstrahlung. Fachliche Schulungen im Bereich Service oder Patisserie sind regelmäßig im Programm. Ganz besonders freut sich der Restaurantchef auf die große Sommerparty in diesem Jahr mit Cocktails, Modenschau und Limousinenservice. Wichtig ist ihm, dass die Gäste sagen: „Hier bin ich gerne."
Lido Gastronomie GmbH & CO. KG
Am Handelshafen 15
40221 Düsseldorf
Telefon: +49 (0) 211 15768730
Im Internet: www.lido1960.de
