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Düsseldorf geht aus
Gastro-Tipp | 2006 - 2007
Lido
Der schönste Platz im Hafen
Was für eine Lage, was für eine Location, was für ein Blick. Das ist selbst in Düsseldorfs äußerst attraktiver Gastrolandschaft und unter den vielen beliebten, erstklassigen und szenigen Lokalen im angesagten Medienhafen etwas Besonderes.
Allein in architektonischer Hinsicht werden die neue Hafenbrücke und der große gläserne Würfel aus gutem Grund viel bestaunt. Aber wenn man erst drin sitzt im lichten Aquarium mitten im Hafenbecken, eröffnet das auf das vielfältige Panorama noch einmal eine ganz andere Perspektive. Von hier hat man alles zum Greifen nah im Blick: die Kaimauern und die bunte Reihe Bauten rund ums Wasser, auf der Hafenspitze Monkey's Island als letztes, hoffentlich noch lange verbleibendes Grün, die Gehry Bauten und den hoch aufragenden Rheinturm. Wir sind davon an einem Maimittag begeistert, der uns mit reinsten Aprilwetterkapriolen noch eine besondere Kulisse zum Essen bietet. Herrlich: Während draußen der Regen übers Wasser peitscht, kräftiger Wind die Wolken antreibt, tiefschwarze mit sonnigblauen Abschnitten wechseln und so die Umgebung immer wieder in neues Licht und andere Stimmung tauchen, lehnen wir uns entspannt zurück in den weißen Kunststoffschalenstühlen auf leichtfüßigem Chrom.
Das Ambiente im Glaskubus ist ohnehin sehr klar im Design: Helles Stäbchenparkett, sehr weiß, sehr pur eingedeckte Tische, im Zentrum des großen Raumes eine runde Bar aus hellgrauem Sichtbeton. Wir sitzen im Café unter meterhoher Decke. Darüber liegt das Restaurant, das mit nicht ganz so luftiger Höhe und einer langen bequemen Lederbank, die einmal um den Raum läuft, weniger puristisch denn behaglich wirkt. Am Abend, wenn rundherum die Lichter funkeln, herrscht dort bestimmt eine wunderbare Atmosphäre. Aber jetzt am Mittag möchten wir ins Freie blicken, und das geht unten besser.
Was die Küche bietet, wird gleichermaßen hier wie dort serviert und ist, en passant bemerkt, eine weitere Bereichung für den kulinarischen Speiseplan der Ausgehstadt Düsseldorf. Denn mal abgesehen von Robert's Bistro, das hiesige Gourmets und Gourmands nun schon seit Jahren mit bodenständiger französischer Küchenkultur jenseits von Bocuse, Ducasse und Konsorten verwöhnt, sind französische Töne in Petit Paris (weiß der gallische Hahn, wie die Stadt zu diesem Signet kommt) nicht viel zu hören. Dafür muss man schon rheinabwärts nach Cologne fahren. Voilà, hier nun endlich Annoncen en français unterteilt in "Les Classiques" und "Les Modernes". Unter den Klassikern: eine Bisque de Hommard - Hummercrèmesuppe mit Hummerfleisch und Croutons; das Steak tartare mit Pommes frites; Zander l'Alsacienne, also auf Rieslingkraut; ein Entrecôte mit Gratin Dauphinois sowie Crème Brûlée und Tarte au pommes. Zu den Modernitäten zählen das Hanuta von der Gänsestopfleber mit Dörrkirschen und weißem Pfefferschaum; die Bouillabaisse légère, eine klare Bouillabaisse von Edelfischen mit Rouille; karamelliesierter Rochenflügel auf warmem Tomaten-Minzegelee und Cocobohnen oder die eigenwillige Alliance von Erdbeeren und Lakritze. Daneben gibt es noch eine kleine Auswahl großer Salate und natürlich Fruits de mer satt, Austern, Muscheln, Krustentiere. Das liest sich durchweg ambitioniert und rangiert auf hohem Preisniveau - kaum ein Entree unter 10 bis 12 Euro, Hauptspeisen bis 29 Euro. Wir sind gespannt.
Der Service überzeugt schon mal. Sehr nett, aufmerksam und kompetent weiß die junge Dame die Wünsche der Gäste zu handeln. Unser Problem, diese Vorspeise mit jenem Hauptgang zu kombinieren, ohne möglicherweise unseren Appetit zu überfordern - die Augen könnten bei den Versuchungen mal wieder zu groß sein - löst sie höchst pragmatisch. "Wenn Sie ein bisschen Zeit haben, wählen Sie doch erstmal nur die Vorspeisen und entscheiden danach wie es weiter gehen soll." Wunderbar, das machen wir. Sancerre oder Pouilly Fumé lautet die Frage bei den offenen Weißweinen. Ersteren bitte. Und dann überzeugt die Küche mit einem orientalischen Linsensüppchen mit Hummercroustillant (EUR 7,50), leicht püriert, raffiniert gewürzt, mit schön knusprigem Krustentierhappen sowie mit dem Rote Beete-Carpaccio mit gebackenem Stockfisch, Trüffeln und Meerrettich. Ein Gedicht, so locker und leicht können die Bacalao-Bällchen also schmecken, wunderbar die Abstimmung der drei so verschieden aromatischen Erdknollen. Alors, da passt noch was. Also bleiben wir bei unseren Favoriten. Der Rücken vom Ibérico-Schwein mit Pommes Pont-Neuf, Langustinos und Chorizo in Feigenjus (EUR 22,50) ist saftig, zart, würzig, gut. Die Meerestiere munden fein, die feurige spanische Salami ist hauchdünn geschnitten, die Kartoffeln erinnern in der Tat an dicke Brückenpfeiler, sind al dente gegart und in der Pfanne ausgeschwenkt. Köstlich, was macht es da, dass uns diese Kreation eher spanisch den französisch vorkommt. Beste Bistrokost à la française ist das geschmorte Kalbsbäckchen auf karamellisiertem Chicorée und Apfel-Balsam-Reduktion. Zartmürbes Schmorfleisch ruht auf noch leicht knackigem Chicorée und famosem Kartoffelpüree, das durch den dezenten Apfel-Jus noch feinen Pfiff bekommt. Chapeau. - Zur Bekanntschaft mit dem Lido empfiehlt sich auch das dreigängige Mittagsmenü zu 21 Euro, zum Beispiel mit einem Coq au vin. Sommerterrasse mit kleiner Extrakarte.
Lido Gastronomie GmbH & CO. KG
Am Handelshafen 15
40221 Düsseldorf
Telefon: +49 (0) 211 15768730
E-Mail: genuss@lido1960.de
Im Internet: www.lido1960.de
