Lido


Welt am Sonntag

Gastro-Tipp | September 2006


Lido

Französischer Charme soll Kunden locken

Mit Konzepten, die aus dem Ausland übernommen wurden, versuchen Restaurants der Krise zu trotzen. Drei Beispiele aus Düsseldorf

Von Robert Lücke

Zwei davon liegen am Medienhafen und folgen dem in Frankreich seit Jahren außerordentlich erfolgreichen Brasseriekonzept. Zum " Lido1960 " gehören neben einer Brasserie noch Cafe und Gelateria. Die Lage in einem im Dunkeln leuchtenden Glaskubus mitten auf der Fußgängerbrücke, die das Hafenbecken quert, ist spektakulär. Der Ort ist also schon mal äußerst modern und ungewöhnlich, was automatisch Gäste anzieht. Das wie ein Schiff vor Anker gegangene "Brückenhaus" mit ausgefallener Architektur ist auch innen recht spannend gestaltet: Ein Holzparkett und karamellfarbene Lederbänke lockern das kühle Grau von Stahl und Beton auf.

Die Speisekarte ist zweigeteilt: "Les Classiques" auf der einen, "Les Modernes" auf der anderen. Konkret sieht das so aus: Gebackener Kalbskopf mit getrüffeltem Bohnensalat oder Cotes de Boeuf mit Sauce Bernaise vertreten die Klassik. Rotkrautsalat mit Lardo (einer Art weißer Speck) und geräuchertem Heilbutt, Goldbrasse mit marinierter Kalbszunge oder gebratene Bluttaubenbrust mit Pfefferkürbis die Moderne. Beiden Fraktionen gleich sind die für dieses Niveau niedrigen Preise: Vorspeisen von 6,50 (Suppe) bis 19 Euro (Garnelen), Hauptgerichte 15,50 (Dorsch) bis 29,50 Euro (Steinbutt). Auf diesem Niveau lässt sich normalerweise kein Geld machen, denn viele Grundprodukte sind so teuer (etwa Steinbutt), dass Gastronomen in höheren Kategorien nur an den Getränken verdienen. Hier läuft es anders. Durch die vergleichsweise hohe Gästezahl von 150 bis 180 Personen am Tag wird der Umsatz nach oben getrieben, daher lohnt sich wiederum der Einkauf größerer Mengen, was teils direkt in Paris geschieht. Küchenchef Christoph Dahmen lernte bei Jean-Claude Bourgueil im "Schiffchen" französische Klassik und ist Schüler von Juan Amador, der für eine sehr deutlich an der spanischen Avantgarde orientierte Küche steht. Dahmen vermeidet einen Fehler kreativer Köche: Er überfordert nicht. Die unterschiedlichen Schwerpunkte auf der Speisekarte mit Klassik und Moderne bleiben auch in der Praxis getrennt und lassen jeden Gast etwas finden, das ihm schmeckt, weil die klassischen Gerichte auch tatsächlich klassisch zubereitet sind, die modernen auf ihre Weise genauso. Etwaige Vorbilder wären die Restaurants "L'Atelier" und "La Table" von Joel Robuchon in Paris und Alain Ducasse' "Spoon"-Restaurants.

Einen ähnlichen Weg geht "Monkey's". Die Strandbar auf Monkey's Island hat immer mehr Ableger bekommen, eine Diskothek, Bar und ein Restaurant. Innendrin verbinden sich moderne Sachlichkeit mit gemütlichem Holz, und wäre draußen nicht der Rhein, wähnte man sich angesichts der hölzernen Wandverkleidung vielleicht in einem schicken Szenerestaurant im amerikanischen Aspen oder am Arlberg in Österreich. Die Küche ist auf ein ähnliches Publikum ausgerichtet wie die des "Lido". Mittags gibt es Kleinigkeiten ab 6,50 Euro, abends ein Menü (2 Gänge für 32,50, drei für 39,50 Euro, bis hin zu 53,50 für fünf Gänge). Bei der Menüzusammenstellung wird deutlich, dass die Küche hier voll auf allen aktuellen und bereits vor zwei, drei Jahren beliebten Modewellen mitschwimmt: Koriander, Rauke, Petersilienwurzel, Blutwurst, Cous-Cous oder Kokos-Ingwerschaum gibt es reichlich. Da fehlten eigentlich nur noch Vanille und Chorizo, und alle landauf, landab bewährten, hundertmal durchgekauten und langweiligen Zutaten wären beisammen. Aber offensichtlich ist es genau die Mischung, die ankommt. Denn auch das "Monkey's" läuft gut, auch wenn die weitere Nutzung wegen ungeklärter Neubaupläne am Hafen ungewiss ist.

Inhaber Rainer Wengenroth und Helge Achenbach haben vor kurzem am Graf-AdolfPlatz am unteren Kö-Ende gleich drei neue Restaurants eröffnet: "Monkey's Plaza". "West" bietet "Fine Art & Dining" (Menü, vier Gänge für 55, sechs Gänge zu 75 Euro), "South" mediterrane Küche unter dem Motto "Wine & Dine" wie "Topinambursuppe mit Chorizo" für 7 Euro, und "East", ein asiatisches Business-Fast-Food namens "Asia & Go", in dem man Snacks wie "Vietnamesischen Glasnudelsalat" oder "Gebratene Eiernudeln mit Stubenküken" bekommt. Als Berater holte man den Essener Zwei-Sterne-Koch Berthold Bühler. Küchenchef ist Sven Feldmann, der im Kölner "Take" und den Sternerestaurants "Jagdhof Glashütte" und "Wielandshöhe" gelernt hat.

Die Küche ist von entsprechend solider Qualität. "Wir haben das gemacht, weil es ja schon auf der Insel gut lief und die Nachfrage da ist. Und sie steigt", sagt Wengenroth. Eine besondere Rolle in den neuen "Monkey's"-Lokalen spielt die Kunst: Die Video-Kronleuchter sind von Name June Paik, hinzu kommen Jörg Immendorffs Affenskulpturen und wechselnde Foto-Ausstellungen. Die Einrichtung ist genau das, was PR-Menschen und andere, die kein richtiges Deutsch mehr können, heute "stylish" nennen würden: Alles so cool wie möglich. Das kommt natürlich auf der bisweilen bizarren Königsallee und in Düsseldorf sowieso gut an. Außerhalb von Großstädten hätten solche Konzepte wohl weitaus weniger Erfolg, denn das Publikum ist typisch großstädtisch, und auf dem Land oder in kleineren Orten fühlten sich die Menschen in derart durchgestylten Etablissements kaum so wohl wie hier. Und so kommt beiden Neugründungen zupass, dass man nicht ausgeht, um gut zu essen, sondern um hinterher erzählen zu können, wo man denn war.

Lido Gastronomie GmbH & CO. KG
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